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Bienen
Überfamilie aus der Ordnung der Hautflügler. Bienen sind weltweit mit rund 20 000 und in Mitteleuropa mit etwa 540 Arten verbreitet. Sie sind Mitglieder derselben Ordnung, zu der auch Wespen und Ameisen gehören. Die kleinsten Bienen sind nur zwei Millimeter lang, große Arten erreichen vier Zentimeter.
Kennzeichen
Die meisten weiblichen Bienen haben wie die Wespen einen Giftstachel. Ein weiteres Merkmal der Bienen ist die gut entwickelte Glossa (Zunge). Viele Bienenarten haben zur Vereinfachung des Pollentransports gefiederte Haare.
Anders als Wespen benötigen Bienen Blütenpollen zur Proteinversorgung sowie Nektar und manchmal auch Öle. Die ausgewachsenen Weibchen sammeln Blütenpollen in erster Linie als Futter für die Larven, ernähren sich aber auch selbst von Pollen und Nektar. Der Pollen wird entweder direkt von den Staubgefäßen aufgenommen oder beim Putzen vom Körper abgestreift und zu Klümpchen geformt. Manche Arten besitzen an den Hinterbeinen so genannte Körbchen (Borsten), die dem Pollentransport dienen. Nektar gelangt über den Saugrüssel in den Honigmagen der Biene und wird im Nest wieder hervorgewürgt.
Bei ihrem Flug von Blüte zu Blüte verlieren Bienen unvermeidlich Teile der gesammelten Pollen: Einige dieser Pollenkörner landen auf den Blütenstempeln von anderen Blüten derselben Pflanzenart, so dass die Blüten fremdbestäubt werden. Bienen sind zweifellos die wichtigsten bestäubenden Insekten.
Sozialstruktur und Nestbau
Bei weitem die meisten Bienenarten leben solitär (Einsiedlerbienen). Jedes Weibchen baut sein eigenes Nest und seine eigenen Brutzellen. Einige Bienenarten leben gesellig. Von den Einsiedlerbienen unterscheiden sie sich nur dadurch, dass mehrere Weibchen einer Generation dasselbe Nest benutzen, wobei aber jedes Weibchen eigene Zellen für seine Eier, Larven und Puppen baut. Einige wenige Bienenarten sind subsozial; sie leben in kleinen Gemeinschaften von zwei bis sieben Bienen derselben Generation. Eine dieser Bienen – die Königin – ist hauptsächlich mit der Eiablage beschäftigt, während die anderen als Arbeiterinnen fungieren.
Vermutlich 1 000 oder mehr Arten leben in kleinen Staaten, die aus einer Königin und wenigen Töchtern als Arbeitsbienen bestehen, wobei kaum Kasten zu unterscheiden sind. Manche sozialen Bienen bilden befristet Staaten, die sich in der Regel im Herbst auflösen, da nur die befruchteten Königinnen überwintern. Hummeln sind eine bekannte Gattung mit dieser Lebensweise. Die Staaten bildenden Bienen leben in großen Staaten von Weibchen aus zwei Generationen: Mütter (Königinnen) und Töchter (Arbeiterinnen). Männliche Bienen (Drohnen) spielen für das Sozialleben keine Rolle, sie befruchten die Eier. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich Weibchen, aus unbefruchteten entstehen Männchen.
Einsiedlerbienen
Die urtümlichen Bienen leben wie diejenigen Wespen, aus denen sie stammesgeschichtlich hervorgegangen sind: solitär. Jedes Weibchen legt einen eigenen Bau an und errichtet seine eigenen Zellen. Jede Zelle erhält einen Vorrat aus Blütenpollen, die mit Nektar oder Ölen angefeuchtet werden. Sobald in einer Zelle soviel Nahrung angesammelt ist, dass diese vom Schlüpfen der Jungbiene bis zum ausgewachsenen Larvenstadium reicht, legt das Weibchen ein Ei in die Zelle und versiegelt diese. Anschließend baut es eine weitere Zelle.
Soziale Bienen
Gesellig lebende Bienen bauen ihre Nester und Zellen in ähnlicher Weise, das Nest (meistens ein Bau im Boden) wird jedoch von mehreren Bienen bewohnt. Subsoziale und die meisten sozialen Bienen bauen Nester und Zellen, die denen ihrer solitären Verwandten ähneln, das Bauen und die Bevorratung der Zellen werden jedoch oft gemeinsam durchgeführt. Einige hundert Bienenarten bilden dauerhafte Staaten. Die Kasten der Königinnen und der Arbeiterinnen sind sehr verschieden strukturiert. Beide sind auf ihre eigenen Aufgaben spezialisiert und könnten ohne die jeweils andere Kaste nicht überleben. In den Staaten der Hummeln und der Staaten bildenden Bienen bestehen die Zellen zumindest zum Teil aus Wachs, das die Bienen ausscheiden. Bei den Hummeln und den Honigbienen werden die Larven fortlaufend gefüttert; die Zellen werden also, wenn nötig, geöffnet oder stehen weit offen, so dass die Arbeiterinnen die Brut pflegen können. Hummeln und Staaten bildende Bienen sind auch die einzigen Bienen, die nicht nur für die Ernährung der Larven, sondern auch für die ausgewachsenen Bienen Vorräte von Honig und Pollen anlegen.
Schmarotzerbienen
Schmarotzerbienen bauen keine eigenen Nester und suchen nicht selbst nach Futter, sondern benutzen die Nester und Nahrungsvorräte anderer Bienenarten für ihre eigenen parasitierenden Nachkommen. Es gibt zwei Varianten schmarotzender Bienen: Kleptoparasiten und Sozialschmarotzer. Kleptoparasiten dringen in die Nester von Einsiedlerbienen ein, öffnen deren Brutzellen oder besetzen offene Brutzellen, verstecken dort ihre Eier, bevor die Wirtsbiene ihre eigenen Eier legt, und verschließen die Zellen. Die Larven der Kleptoparasiten ernähren sich später von den Nahrungsvorräten, die das Wirtsweibchen in der Zelle angelegt hatte. Das Ei oder die Larve der Wirtsbiene werden vom Schmarotzerweibchen oder ihren Larven getötet. Sozialschmarotzer sind Bienen, welche die einheimische Königin töten und die Arbeiterinnen zwingen, den Nachwuchs der Schmarotzerbienen aufzuziehen. Die Weibchen der Kleptoparasiten und der Sozialschmarotzer haben keine Körbchen oder Bürsten, da sie ja kein Futter für ihren Nachwuchs sammeln.
Systematische Einordnung:
Bienen bilden die Überfamilie Apoidea der Ordnung Hymenoptera.
Ihre Einteilung in zahlreiche Familien erfolgt zum großen Teil anhand der Mundwerkzeuge und anderer Merkmale, die am lebenden Tier schwer zu erkennen sind. Die Familie Colletidae unterscheidet sich von allen anderen dadurch, dass die Zunge breit und kurz oder gespalten ist. In dieser Hinsicht ähneln sie den Wespen, deshalb hält man sie für die urtümlichsten Bienen. Alle Angehörigen der Familie Colletidae sind Einsiedlerbienen.
Die Angehörigen der umfangreichen, weltweit verbreiteten Familie Halictidae (Schmalbienen) werden im Englischen auch sweat bees (Schweißbienen) genannt, da einige Arten von Schweiß angezogen werden. Zur großen Familie Andrenidae gehören Bienen, deren Zunge nur kurz ist. Sie bauen Bodennester mit Gängen, die sich mehrfach verzweigen und dann jeweils in einer oder mehreren Zellen enden. Zu den wesentlichen Merkmalen der großen, weltweit verbreiteten Familie Megachilidae gehört eine Haarbürste an der Unterseite des Hinterleibes der Weibchen, mit deren Hilfe sie Pollen sammeln. Die Schmarotzerarten dieser Familie haben keine Haarbürste.
Zur artenreichen, weltweit verbreiteten Familie Anthoporidae gehören drei Unterfamilien mit langzungigen Bienen. Die Unterfamilie Nomadinae wird von Schmarotzerbienen gebildet. Die Unterfamilie Anthophorinae umfasst eine große Anzahl dicht behaarter, robuster Bienen, die in der Regel als Einsiedler leben, manche Arten leben jedoch auch gesellig oder schmarotzen. Fast alle Arten der Unterfamilie Xylocopinae nisten im Holz. Sie graben eigene Neströhren oder benutzen von früheren Generationen gegrabene Röhren.
Angehörige der Familie Apidae unterscheiden sich von allen anderen Bienen dadurch, dass die Pollenbürste auf die Hinterbeine beschränkt und zu einer Haarreihe rückgebildet ist, die einen glatten Bereich auf der Tibia, einem Beinglied, umgibt. Nur bei diesen Bienen kann man die Vorrichtung zum Pollensammeln als Körbchen bezeichnen. Zu dieser Familie gehören vier Gattungsgruppen. Die Gattungsgruppe Euglossini (Prachtbienen) ist auf den südamerikanischen Tropenurwald beschränkt. Die Gattungsgruppe Bombini umfasst nur die bekannten dicht behaarten Hummeln und die verwandte Psithyrus, einen Sozialschmarotzer der Hummeln. Zur Gattungsgruppe der in den Tropen verbreiteten sozial lebenden Stachellosen Bienen (Meliponinae) gehören die kleinsten Bienen ebenso wie Arten, die größer sind als Honigbienen. Der Gattungsgruppe Apinae gehört nur die Gattung Apis an, die Eigentlichen Honigbienen, von denen es etwa fünf Arten gibt, die alle Staaten bilden.
Zu Einzelheiten der Organisation des Soziallebens, der komplexen Kommunikation und der wirtschaftlichen Bedeutung der Honigbiene siehe den Artikel über diese Art.
Honigbiene,
sozial lebende, Honig erzeugende Biene, die als wirtschaftlich wertvollstes Insekt gilt. Diesen Ruf genießt die Honigbiene vor allem wegen ihrer Produktion von Honig und Bienenwachs. Der größte Nutzen der Honigbiene liegt allerdings in der Bestäubung von Nutzpflanzen wie Obstbäumen, Gemüse- und Futterpflanzen sowie von vielen wild wachsenden Pflanzen, die beispielsweise Bodenerosion verhindern.
Soziale Organisation
Die Honigbiene ist ein soziales Insekt, das nur als Mitglied einer Gemeinschaft überleben kann, die man als Staat, Kolonie oder Volk bezeichnet.
Kasten
Die Gesellschaft der Honigbiene besteht aus drei in ihrem Körperbau unterschiedlichen Formen: der (weiblichen) Königin, den (männlichen) Drohnen und den Arbeiterinnen (sterilen Weibchen). Diesen Kasten kommen im Bienenstaat unterschiedliche Funktionen zu; jede Kaste besitzt ihre eigenen speziellen Verhaltensweisen, die jeweils auf die Bedürfnisse des Volkes abgestimmt sind.
Die Königin
Die Königin ist das einzige sich fortpflanzende Weibchen der Gemeinschaft und somit Mutter sämtlicher Drohnen, Arbeiterinnen und zukünftiger Königinnen. Sie produziert täglich oftmals mehr als 1 500 Eier, deren Gewicht dem ihres eigenen Körpers gleichkommt.
In ihrem Körperbau unterscheidet sich die Königin auffallend von Drohnen und Arbeiterinnen. Ihr Körper ist langgestreckt, sie hat einen viel größeren Hinterleib als eine Arbeiterin. Ihre Mandibeln oder Oberkiefer sind mit scharfen Zähnen versehen, während ihre Nachkommen zahnlose Kiefer aufweisen. Die Königin besitzt einen weichen, gebogenen Stachel, den sie mehrmals benutzen kann, ohne ihr eigenes Leben zu gefährden. Die Arbeiterinnen haben im Gegensatz dazu gerade, mit Widerhaken versehene Stacheln: Wenn eine Arbeiterin sticht, bleibt das nadelspitze Organ im Fleisch des Opfers verankert. Beim Versuch, ihren Stachel wieder herauszuziehen, reißt die Biene einen Teil ihres Hinterleibs ab und stirbt kurz darauf. Der Bienenkönigin fehlen die “Arbeitswerkzeuge” der Arbeiterinnen, wie Pollenkörbchen, wachsabsondernde Drüsen und ein gutentwickelter Honigmagen. Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus einem als Gelée royale bezeichneten Sekret, das in den Kropfdrüsen der Arbeiterinnen produziert wird. Die durchschnittliche Lebensdauer der Königin beträgt ein bis drei Jahre.
Die Arbeiterin
Arbeiterinnen übertreffen Drohnen stets an Zahl. Im Frühjahr reicht die Zahl der Arbeiterinnen in einem Volk in der gemäßigten Zone von 8 000 bis 15 000, im Frühsommer kann ihre Zahl mehr als 80 000 betragen. Die Arbeiterinnen vermögen sich nicht zu paaren und fortzupflanzen; sie sondern Wachs ab, bauen Waben, sammeln Nektar, Pollen und Wasser, wandeln den Nektar in Honig um, säubern den Stock und verteidigen ihn, wenn nötig.
Pollen ist die Hauptquelle für Proteine, Fette, Mineralien und Vitamine – jene Nahrungsbestandteile, die für das Wachstum und die Entwicklung aller drei Kasten wesentlich sind. Erwachsene Bienen können auch nur von Honig und Zucker, also einer reinen Kohlenhydratnahrung, leben. Neben dem Sammeln und Aufbewahren von Nahrung für alle Mitglieder der Gemeinschaft sind Arbeiterinnen auch für die Verteidigung des Volkes verantwortlich; außerdem halten sie die Temperatur im Stock konstant bei 34 °C, der optimalen Temperatur für das Schlüpfen und für die Aufzucht der Larven. Wird der Stock zu heiß, belüften sie ihn gemeinsam, indem sie mit ihren Flügeln Luft herbeifächeln. Bei kalter Witterung drängen sie sich eng um die Brut zusammen und erzeugen so Wärme. Aus den Eiern, von denen jeweils eines in eine Zelle gelegt wird, schlüpfen nach drei Tagen die Larven. Diese werden in den ersten Tagen mit Gelée royale gefüttert, danach mit Pollen, Nektar oder Honig. Jede der Hunderte von Larven in einem Stock muss viele Male pro Tag gefüttert werden.
In den ersten drei Wochen ihres Erwachsenendaseins beschränken die Arbeiterinnen ihre Tätigkeit auf den Bau von Waben, das Säubern und Polieren der Zellen, das Füttern der Jungen und der Königin, die Kontrolle der Temperatur, die Verdunstung des Wassers aus Nektar, bis dieser die Konsistenz von dickem Honig annimmt, und vielfältige andere Aufgaben. Gegen Ende dieser Periode fungieren sie als Trachtbienen und Verteidiger der Kolonie. Die Arbeiterinnen, die sich früh in der Saison entwickeln, führen ein außerordentlich geschäftiges Leben, das in der Regel sechs Wochen dauert. Spät im Herbst aufgezogene Arbeiterinnen leben im Allgemeinen bis zum Frühjahr, da sie im Winter wenig zu tun haben, außer zu fressen und den Stock warm zu halten. Anders als andere Bienen halten Honigbienen keine Winterruhe.
Die Drohnen
Die Drohnen der Honigbiene besitzen keinen Stachel und sind wehrlos; sie weisen auch keine Pollenkörbchen oder Wachsdrüsen auf und vermögen kein Gelée royale abzuscheiden. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, sich mit neuen Königinnen zu paaren. Unmittelbar nach der Paarung, die stets außerhalb des Stockes im Fluge stattfindet, sterben die Drohnen. Die ersten Erforscher der Paarungsgewohnheiten von Honigbienen nahmen an, dass sich eine Königin nur einmal in ihrem Leben paart. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen brachten jedoch den Beweis, dass sich eine Königin in der Regel im Lauf einiger weniger Tage mit sechs oder mehr Drohnen paart. Die freibeweglichen Samenzellen der Drohnen gelangen in ein kleines, sackartiges Organ, den als Spermatheka bezeichneten Samenbehälter, im Hinterleib der Königin. Die Spermien bleiben in diesem Behälter während des gesamten Lebens der Königin lebensfähig.
Drohnen leben im Frühjahr und Sommer in den Kolonien. Wenn der Herbst naht, werden sie von den Arbeiterinnen aus dem Stock vertrieben und sind zum Sterben verurteilt.
Verhalten
Die Königin vermag das Geschlecht ihrer Nachkommen zu bestimmen. Wenn ein Ei vom Eierstock in den Eileiter gelangt, kann es mit Spermien aus der Spermatheka befruchtet werden – oder auch nicht. Aus einem befruchteten Ei entwickelt sich eine weibliche Honigbiene, entweder eine Arbeiterin oder ein Königin, aus einem unbefruchteten eine männliche oder Drohne.
Die Eier, aus denen Königinnen entstehen, legt die Königin in speziell dafür gebaute Zellen, wo sie sie an die Decke heftet. Diese Zellen werden mit ausreichenden Mengen an breiigem Gelée royale ausgestattet, um zu verhindern, dass die Larven herausfallen und um sie zu ernähren.
Die Arbeiterinnen werden in viel kleineren, horizontal angeordneten Zellen aufgezogen. Die zukünftigen Arbeiterinnen erhalten Gelée royale nur während ihrer ersten beiden Lebenstage – man kann den deutlichen Gegensatz zwischen dem Körperbau der Königinnen und dem der Arbeiterinnen einzig und allein auf die unterschiedliche Nahrung zurückführen, die sie während des Larvenstadiums zu sich nehmen. Die Entwicklung der Königin vom Ei bis zum vollständigen Insekt dauert 16 Tage, die einer Arbeiterin 21 Tage und die einer Drohne 24 Tage.
Die Trachtbienen oder Sammlerinnen bringen den Nektar zahlreicher Blüten ein. Wenn sie mit vollen Honigmagen – einer Aussackung der Speiseröhre – in den Stock zurückkommen, würgen sie dessen Inhalt in den Mund einer jungen Arbeiterin hervor, die man als Stock- oder Ammenbiene bezeichnet. Diese bringt den Nektar in eine Zelle und führt jene Aufgaben durch, die für die Umwandlung des Nektars in Honig notwendig sind. Wenn der Honig voll ausgereift bzw. eingedickt ist, wird die Zelle mit einem luftdichten Wachsdeckel verschlossen. Sowohl alte als auch junge Arbeiterinnen müssen Honigvorräte für den Winter anlegen.
Pollen tragen die Trachtbienen an ihren Hinterbeinen in den Stock ein und verfrachten ihn direkt in die Zellen. Der Pollen einer bestimmten Fracht stammt größtenteils aus nur einer einzigen Blütenquelle, was die hervorragende Rolle der Honigbiene als Bestäuber belegt. Würde sie von einer Pflanzenart zur anderen fliegen, wäre sie bei der Übertragung des Pollens nicht so effektiv. Da sie ihre Besuche bei einem bestimmten Flug jedoch auf die Blüten einer einzigen Pflanzenart beschränkt, erfüllt sie die Aufgabe der Fremdbestäubung, die für viele Pflanzenarten unerlässlich ist.
Leben in der Gemeinschaft
Die Bienengesellschaft bietet faszinierende Möglichkeiten zum Studium sozialer Organisation. Unterschiedliche Aufgaben werden von verschiedenen Altersgruppen ausgeführt. Die jüngsten Arbeiterinnen beginnen in der Regel zunächst als Säuberer der Zellen. Zu den Aufgaben etwas reiferer Arbeiterinnen gehören der Bau der Waben, das Füttern von Hunderten junger Bienen, die Pflege der Königin, das Erzeugen von Wärme und Belüften, das Bewachen des Stockeingangs, das Entfernen von toten Bienen und schließlich das Einbringen von Nektar, Pollen und Wasser. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht die Königin; sie ist die Quelle von Pheromonen, die einen Großteil des Lebens der Kolonie bestimmen.
Kommunikation
Honigbienen verfügen über ein außerordentlich perfektes Kommunikationssystem. In seinen zu Beginn unseres Jahrhunderts begonnenen Studien an Bienen erforschte der österreichische Zoologe Karl von Frisch zahlreiche Einzelheiten ihrer Verständigung. In einer klassischen Veröffentlichung aus dem Jahr 1923 beschrieb von Frisch, wie eine Trachtbiene, die eine neue Nahrungsquelle wie ein blühendes Feld entdeckt hat, ihren Honigmagen mit Nektar füllt, zum Stock zurückkehrt und einen nach genauen Regeln festgelegten Tanz aufführt. Liegt die neue Nahrungsquelle innerhalb von 90 Metern zum Stock, zeigt die Biene einen Rundtanz, bei dem sie sich zunächst etwa zwei Zentimeter oder mehr vorwärts bewegt und dann in die entgegengesetzte Richtung zurückläuft. Zahlreiche Bienen des Stockes folgen der Tänzerin dichtauf und ahmen ihre Bewegungen nach. Während dieser Zeremonie nehmen die anderen Arbeiterinnen den Duft der Blüten auf, von denen die Trachtbiene den Nektar gesammelt hat. Nachdem die anderen Bienen erfahren haben, dass die Nahrung nicht weit vom Stock entfernt ist und wie sie riecht, verlassen diese den Stock und fliegen in weiten Kreisen, bis sie die Futterquelle finden.
Liegt die neue Nektar- oder Pollenquelle weiter weg, vollführt die Entdeckerin einen komplizierteren Tanz, der u. a. durch Schwänzeln des Hinterleibs charakterisiert ist. Jede Bewegung dieses Schwänzeltanzes scheint von Bedeutung zu sein. Die Schnelligkeit des Kreisens informiert die anderen Bienen darüber, wie weit sie zu der Nahrungsquelle fliegen müssen. Die Bewegung, welche die Biene durch die Kreismitte vollführt, zeigt die Richtung der Futterquelle an. Läuft die Biene geradewegs nach oben, bedeutet dies, dass die Quelle direkt in Richtung der Sonne liegt. Ist das Geradeauslaufen nach unten gerichtet, deutet dies darauf hin, dass die Bienen die Nahrung erreichen, wenn sie entgegengesetzt zur Sonnenrichtung fliegen. Erfolgt das Geradeauslaufen in einem bestimmten Winkel zur Senkrechten, müssen die Bienen einem Kurs im selben Winkel rechts oder links zur Sonne folgen. Bienen, die man in einem Beobachtungsstock hinter einer Glasscheibe sieht, zeigen ihre Anweisungen so eindeutig, dass es einem Untersucher möglich ist, die durch die Tänzer angezeigten Richtungen zu verstehen.
Überlebensprobleme
Um Honig und Bienenwachs zu produzieren, müssen Bienen ihr Leben im Freien zwischen den Blüten verbringen. Ihre empfindlichen Körper sind hierbei den Einflüssen schlechten Wetters ausgesetzt, und sie müssen genügend Wärme erzeugen, um zu verhindern, dass sie bei niedrigen Temperaturen erfrieren. Während des Sommers haben die Arbeiterinnen ausreichend Nahrung zu speichern, um durch den Winter zu kommen. Eine Biene verhungert bereits nach einem Tag ohne Nahrung.
Krankheiten
Honigbienen sind verschiedenen Krankheiten und Parasiten ausgesetzt. Die Amerikanische und Europäische Faulbrut sind zwei weit verbreitete, ansteckende bakterielle Erkrankungen der Brut. Ein einzelliger Parasit und ein Virus rufen Lähmungen hervor und töten erwachsene Bienen. Die Bienenlaus heftet sich als erwachsenes Insekt an den Körper von Bienen. In Großbritannien und einigen anderen Ländern führt eine parasitische Milbe, die in den Tracheen des Brustabschnitts erwachsener Bienen lebt, zu ernsthaften Verlusten in Honigbienenvölkern.
Eine weitere, zum ersten Mal in Asien festgestellte Milbe, die heute weltweit verbreitet ist, greift sowohl erwachsene Bienen als auch Larven an. Wenn letztere überleben, können sie zu missgebildeten Bienen heranwachsen. Inzwischen erforscht man verschiedene Bekämpfungsmethoden.
Natürliche Feinde und Umweltgifte
Viele Insekten und Vögel ernähren sich von Honigbienen. Zahlreiche Honigbienen fallen Insektiziden zum Opfer, die zum Schutz von Nutzpflanzen vor Schadinsekten eingesetzt werden.
Wirtschaftliche Bedeutung
Aufgrund verschiedener moderner landwirtschaftlicher Methoden können wild lebende Insektenarten die Nutzpflanzen oft nicht mehr ausreichend bestäuben. Deshalb wurde die Honigbiene vielerorts zum wichtigsten Bestäuber.
Die Afrikanisierte Honigbiene, eine Honigbienenform, die Ende der fünfziger Jahre aus einer Forschungsstation in Südamerika entkam, hat mittlerweile die südlichen Vereinigten Staaten erreicht. Sie stellt eine Bedrohung für die dortige Bienenzucht dar.
Bestäubung von Nutzpflanzen
Zu denjenigen Früchten bzw. Kulturpflanzen, die entweder völlig von einer Bestäubung durch Insekten abhängen oder höhere Erträge liefern, wenn Bienen zur Zeit der Blüte häufig sind, gehören Mandeln, Äpfel, Birnen, Aprikosen, Kirschen, Avocados, Brombeeren, Blaubeeren, Preiselbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Stachelbeeren, Weintrauben, Mangos, Pfirsiche, Nektarinen, Pflaumen, Zwetschgen, Spargel, Broccoli, Kohl, Rüben, Karotten, Gurken, Zwiebeln, Rettich, Kürbis, Baumwolle, Luzerne und Klee.
Die Pollen dieser Pflanzen sind zu schwer und zu klebrig, um mit dem Wind transportiert zu werden – im Gegensatz zu jenen von Getreide und Gräsern, die keine Insekten als Bestäuber benötigen. Der Wert der Bestäubung durch Honigbienen beträgt das Vielfache des produzierten Bienenwachses und Honigs. Die Honigbiene ist das einzige Insekt, das sich verfrachten und zur Bestäubung auf Felder ausbringen lässt.
Systematische Einordnung:
Honigbienen gehören zur Familie Apidae der Ordnung Hymenoptera.
(Entnommen aus Encarta® 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Microsoft Corporation
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