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Da Bienen Vorräte anlegen, um die Zeiten der Nahrungsknappheit zu überbrücken und um den Winter als eine gesamte Volkseinheit zu überdauern, müssen sie in der Lage sein, diesen Schatz (nicht den Honig, sondern auch die nahrhafte Bienenbrut), gegen Räuber verteidigen zu können. So entwickelten die Vorfahren der Bienen schon vor Jahren ein effektives Abwehrmittel und nicht zuletzt haben es die Bienen ihrem Stachel zu verdanken, daß sie sich im Laufe der Geschichte behaupten konnten (Es sollen schon seit über 90 Millionen Jahren die Bienen existieren).
Das Bienengift wird in zwei schlauchförmigen Giftdrüsen im Hinterleib produziert. Es ist in seiner flüssigen Form klar, hat einen aromatischen Geruch und schmeckt bitter. Die Giftblase ist bei Jungbienen zunächst leer und wird bei Bienen im Laufe ihrer Entwicklung im Innendienst gefüllt. Am meisten Gift besitzen deshalb die Bienen während ihres Wächterdienstes am Ende ihrer “Innendienstlaufbahn” und kurz vor oder während der Aufnahme ihres Sammeldienstes. Der pH-Wert des Bienengiftes liegt bei ca. 5,2. Rund 57% der Trockenmasse bestehen aus Proteinsubstanzen, die fünf wichtigsten sind Melittin (mit einem Anteil von 50 bis 70 Prozent) Phospholidase, Hyaluronidase, Apamin und MCD (Mast Cell Degranulating Peptid).
Bienengift ist ein tödliches Eiweißgift und dient der natürlichen Feindabwehr. Es wird von den Bienen beim Stechen mit dem am Hinterleibsende in einer Körperfalte liegenden Stachel in das Opfer injiziert. Die zwei Stechborsten (Stachel) sind bei der Arbeitsbiene mit je zehn kleinen Widerhaken versehen, der Stachel der Königin hat nur drei Widerhaken. Bei Insekten, also Tieren mit einem festen Chitin-Außenskelett gelingt es den Bienen ihren Stachel nur zwischen den einzelnen festen Segmenten anzusetzen, an den flexiblen, empfindlichen Häuten. Sticht eine Biene dagegen ein weichhäutiges Tier mit Innenskelett, wie den Menschen, so kann sie ihren Stich theoretisch überall am Körper des Tieres anbringen. Praktisch wird sie jedoch durch Fell und Federn an vielen Stellen daran gehindert, oder sie muß sich erst mühsam einen Weg bahnen. Hier jedoch dringt sie nur wenig unter die Oberfläche. Da sie damit die dicke Haut nur wenig durchdringen kann, hat die Natur ihr einen Kamikaze-Trieb zum Schutz des gesamten Volkes angezüchtet. Sticht die Biene in eine elastische Haut, so kann sie ihren Stachel aufgrund der Widerhaken und der Elastisität der Haut nicht unbeschadet wieder herausziehen. Beim Versuch reißt sie sich so den gesamten Stachelapparat aus dem Hinterleib heraus. Dies hat u.a. auch den Vorteil, daß der "Honigräuber" die kleinen Stachel schwer entfernen kann, wo hingegen ganze Bienen sich leicht fortwischen lassen. Nachdem Ausreißen aus dem Hinterleib treibt der Stachel zudem durch fortwährendes Voranschieben der Stechborsten, angetrieben durch die Stechmuskulatur (der ausgerissene Stachel trägt einen eigenen Nervenknoten), immer tiefer in die Haut hinein und pumpt gleichzeitig das Gift aus der Giftblase in sein Opfer. Am Ende des Stachels sitzt noch ein Organ, das eine bananenähnlich duftende Substanz abgibt, die rasch weitere Bienen zum Stechen anlockt. Selbst wenn der Honigdieb fliehen will, wird er auf diese Weise chemisch markiert und über weite Strecken verfolgt. Kein anderes Insekt schlägt seine Feinde so zielsicher und nachhaltig in die Flucht. Die Wirkstoffmenge eines Stiches reicht bei größeren Tieren jedoch nicht zur Lähmung wie bei kleineren Kerbtieren sondern nur zur lokalen Schmerzauslösung und zum Anschwellen des Stichgebietes.
Heute wird das Bienengift meist mit Hilfe von Stromstößen gewonnen. Vor das Flugloch wird ein mit Metalldrähten bespannter Rahmen gesetzt, zwischen denen ständig eine Potentialdifferenz von ca. 12 Volt besteht oder in bestimmten Intervallen ausgesendet wird. Unter dem Netz spannungsgeladener Drähte liegt eine Glasplatte, welche das Gift der erregten Bienen auffängt. Es trocknet schnell zu einem weiß-grauen Belag und kann abgekratzt werden. Die so traktierten Bienen sind jedoch besonders abwehrbereit, weshalb man sich Stöcken, die der Gewinnung von Bienengift dienen nur mit äußerster Vorsicht nähern sollte. Die Tiere lauern nur darauf den bösen Feind, den sie nicht ausmachen können, endlich zu erwischen. Deshalb sollte Bienengift nicht in der Nähe von Wohngebieten gewonnen werden.
Bienengift hat vielfältige pharmakologische Wirkungen:
Lokal gewebeschädigend, entzündungserregend, Wirkung auf Nerven und Nervenzentren, bakterizid, zelllösend, blutdrucksenkend, Cortisonbildung auslösend.
Bienengift wird in der Medizin bei rheumatischen Erkrankungen und Gelenkveränderungen (Arthrose) in Form von Bienengiftsalben verwendet. In jüngster Zeit werden in den USA Tests mit Bienengift (meist Injektion) bei Multipler Sklerose durchgeführt.
Die oft geäußerte Ansicht, jemand sei allergisch auf Bienenstiche, nur weil der Stich in der Folge schwillt und schmerzt, ist geradezu falsch. Lokale Reaktionen, Schmerz, Rötung, Schwellung sind ein entzündliches Geschehen, die jeder gesunde Körper zeigt. Die Länge der Reaktion, Stunden oder auch Tage, ist individuell verschieden und läßt sich durch Gewöhnung an das Gift, wie zum Beispiel bei vielen Imkern, heruntersetzen.
Allergisch ist, wer keine Schwellung mehr bekommt, sondern die folgenden Allgemeinsymptome zeigt:
Schwindel, Schluck- und Sprachbeschwerden, Schwellungen, Schnupfen, tränende Augen, Atemnot, Herzrasen, Übelkeit, Darmbeschwerden, Juckreiz, Rötungen am ganzen Körper.
Aber auch Allergien lassen sich durch eine Spritzenkur, bei der echten Allergikern steigende Dosen Bienengift verabreicht werden, therapieren.
Imkerverein Hamburg-Walddörfer
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