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Varroa im Herbst

Hinweise zu den momentanen (Anfang November) Handlungs- möglichkeiten bei Varroa-Befall

Diagnose

Unterlegen einer mit Margarine/Vaseline gefetteten Windel über 3 Tage.

Auszählen der gefallenen Varroen. Umrechnung auf den tägl. Milbenfall.

Es sollten nicht mehr als rechnerisch 0,8 Milben pro Tag gefallen sein.

Sind mehr Varroen gefallen, besteht Handlungsbedarf zur Restentmilbung.

 

Behandlungsmöglichkeiten

Jetzt nur noch im brutfreien Volk mit Oxalsäure im Träufelverfahren oder mit rückstandsbildendem Perizin.

Die Brutfreiheit ist in jedem Fall zu prüfen!!!

 

Begründung

Oxalsäure geträufelt wirkt als Kontaktgift. Die größte Wirksamkeit entfaltet die Behandlung, wenn im eng sitzenden Volk möglichst viele Bienen beträufelt werden. Der Zucker in der Lösung dient als 'Klebstoff' für das Gift.

Oxalsäureverdampfung wirkt nur im absolut brutfreien Volk bei sehr lockerem Bienensitz. Bei engem Sitz werden nur die Hüllbienen behandelt und erhalten eine Überdosis. Diese 'Müllerinnen' sterben i.d.R. vor dem Kasten.

Für AS ist jetzt die Temperatur zu gering und die Luftfeuchte zu hoch.

Thymolpräparate benötigen ebenfalls höhere Temperaturen.

Perizin ist, wenn keine Resistenzen vorliegen, hoch wirksam, wegen der Rückstände aber abzulehnen.

 

Kontrolle der Brutfreiheit

Weiselprobe durchführen. Bei einer Störung recken die Bienen eines weiselrichtigen Volkes das Hinterteil hoch und sterzeln.

Die Hand auf die Folie legen, dann gibt die gefühlte Temperatur Aufschluß.

Finden sich auf der Windel Wachsschüppchen, werden Zellen (i.d.R. Brutzellen) verdeckelt.

Ist Schwitzwasser unter der Folie zu sehen, brütet das Volk noch.

Flugbetrieb am frühen Morgen und am Abend deutet auf Räuberei und/oder Wasserholer für noch vorhandene Brut.

 

Herstellen der Brutfreiheit

Mglw. ist es sinnvoll, ein Volk durch Entnahme einer unbedeutenden Menge varroabelasteter Brut brutfrei zu machen, um den ganzen Stand effektiv behandeln zu können.

 

Hoher Varroa-Befall im Frühjahr

Es sollten keine Varroazide eingesetzt werden, sondern biotechnische Maßnahmen zur Anwendung kommen.

 

Biotechnische Maßnahmen

Sofort nach dem Reinigungsflug einen Baurahmen an das Brutnest hängen verhindert die Entstehung 'wilder Drohnennester', die über die Saison Unmengen von Milben in das Volk entlassen. Schon deshalb war der erste Eingriff zur Zeit der Stachelbeerblüte schon immer zu spät!!!

Frühe Brutablegerbildung.

Separater Jungvolkstand.

Ableger effektiv behandeln.

 

Grundsätzliches

Rechtzeitige Erweiterung entfaltet die volle Leistungsfähigkeit des Volkes, verhindert das Schwärmen und damit die ungerichtete Milbenverteilung in der Nachbarschaft. Bereits bei drei handflächengroß verdeckelten Waben wird schon aufgesetzt. Wird erst erweitert, wenn das Volk durchhängt, hängt auch dessen Motivation durch und meistens das Volk nach kurzer Frist im Baum…

Gesunde Bienen wirken wie ein Magnet auf die Milbe, sichtbar z.B. im Falle einer Räuberei, wenn Milben des Varroa-Volkes auf die räubernden Bienen umsteigen, da diese i.d.R. aus starken, gesunden Völkern stammen und somit der Milbe und dem Virus ein Weiterleben ermöglichen!!!

Die Milbe ist in der Lage, eine gesunde Biene zu erkennen, die von ihr eindeutig bevorzugt wird. Wie sie das anstellt, liegt allerdings noch im Dunkeln.

Durch Brutableger entmilbte Altvölker ziehen Milben an.

Es sollten nur Ableger, die mehr als fünf Waben stark sind, mit Oxalsäure behandelt werden. Schwächere Völker 'verkraften' die Gift-Menge nicht.

Eine effiziente Varroa-Behandlung ist heute und in der nahen Zukunft das A und O für eine erfolgreiche Bienenhaltung und der einzige Schutz der Völker vor Viruserkrankungen.

Die Kenntnis der Varroazide und ihrer Anwendungsvoraussetzungen wird noch immer zu wenig beherrscht. Gerne werden mehrere Varroazide nacheinander, aber zum falschen Zeitpunkt in die Völker gebracht (Multi-Tox-Imker). Verwenden Sie nur hierzulande zugelassene Varroazide entsprechend ihrer Indikation. Beachten Sie unbedingt die jeweiligen Schutzvorkehrungen für den Anwender - es handelt sich immerhin um hochwirksame giftige Substanzen!!!

In der neuesten Bienenforschung hat sich gezeigt, dass die Varroa der auslösende Faktor für die Übertragung von Viruserkrankungen wie dem Deformed-Wing-Virus ist.
Hierzulande gibt es mittlerweile bzgl. des DWV keine virusfreien Bienenvölker mehr, wohl aber gibt es Bienen, die mit einer inaktiven Form des Virus infiziert sind, so dass sich die Infektion bei der Biene rein äußerlich nicht auswirkt.
Ist eine Biene allerdings im Puppenstadium mit der 'Vermehrungsform' des Virus durch eine Milbe infiziert worden, schlüpft sie verkrüppelt und fällt dem Imker bei genauem Hinsehen auf.

Diese unterschiedlichen Virusformen erklären die unterschiedliche Menge von deformierten Bienen bei gleich hoher Milbenbelastung der einzelnen Bienenvölker auf dem Stand.

Nehmen Sie bitte Ihr Varroa-Behandlungskonzept genau unter die Lupe und klären Sie eventuelle Fragen. Behandlung und ganzjährige intensive Beobachtung und Pflege der Bienen tut Not!

Anne Modrow

Imkerverein Hamburg-Walddörfer

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